«Wir wollen gemeinsam …

den Lebens- und Geschäftsraum auf dem Friedhofplatz und in den angrenzenden Gassen erhalten und verbessern

uns für eine bessere Nutzung, Gestaltung und Pflege des Platzes und seiner Umgebung einsetzen

versuchen, den Kontakt zwischen allen Anwohnerinnen und Anwohnern zu vertiefen und sie zur aktiven Mitarbeit am Quartierleben zu führen

alle als Mitglieder willkommen heissen, die sich für diese Ziele einsetzen möchten.»

So weit die Zitate aus den Gründungs-Statuten 1981. Wie aber war es damals, als sich nicht etwa junge Revoluzzer, sondern gestandene, eher konservativ denkende Frauen und Männer dazu entschlossen, sich für ihre Rechte an und auf einem öffentlichen Platz mit Nachdruck einzusetzen? Immerhin wählten sie einen der «Jungen» zum Präsidenten – und der war damals auch schon vierzig!

Parkplatz

Parkplätze in der Altstadt: damals eine Normalität mit Lärm und Gestank für die Anwohner und für das Gewerbe und die Gastronomie scheinbar überlebensnotwendig.

Autofrei (fast)

Erstmals (fast) autofrei! Noch sichtbar die Parkfelder und in schlechter Erinnerung der intensive Suchverkehr auf der Parkplatzjagd in der idyllischen Solothurner Altstadt.

Fahnen und Nünistei

Sichtbare Zeichen des Umdenkens: freundlicher, wohnlicher und ein Hauch Patriotismus. Ein Provisorium, das später noch von einem grossen Sandkasten für die Kinder ergänzt wurde. Letzterer das Resultat der Novizenprüfung einer grossen Fasnachtsgesellschaft.

Umbau

Nach dem Umbauchaos zur Wohlfühloase der Solothurner Altstadt.

Sitzbank unter Bäumrn

 

Der älteste Platz in einer der ältesten Städte der Schweiz heisst zwar «Friedhofplatz», hat jedoch nichts – nicht einmal die Herkunft des Namens – mit einer Grabstätte gemein, und wird ohnehin von Freunden und Kennern liebevoll «Säulimäret» genannt.

Mieter und Hausbesitzer, Wirte und Gewerbetreibende rund um den Platz und aus den angrenzenden Gassen schlossen sich am Abend des 27. April 1981 zur «Vereinigung pro Friedhofplatz» zusammen.

Unzählige Vorstösse auf allen Ebenen und jahrelange Einzelkämpfe für mehr Lebensqualität im Quartier sollten durch diese damals typische Bürgerinitiative Unterstützung – und damit noch mehr Gewicht – bei den Behörden erhalten.

Rasche Erfolge

Bereits im Gründungsjahr war es soweit, dass die Gemeindeversammlung dem Einbezug in die so genannte «kleine Altstadtsperre» zustimmte; also den Platz und die Gassen am Nachmittag und Abend in eine autofreie Fussgängerzone verwandelte! Ein Riesenerfolg für die engagierten Friedhofplätzler.

Dass sich bei der von der Stadt gewährten Mitsprache um die Neugestaltung des von parkierten Fahrzeugen befreiten Platzes die Gemüter erhitzten, sich die Geister – und manchmal nicht bloss diese – schieden und Zeitungsspalten entsprechend kontrovers gefüllt wurden, kann allerdings nur Unbeteiligte erstaunen.
'S isch jo immer, immer, immer e so gsi.
(Solothurnerlied)

Ideen wurden gesammelt evaluiert und als typische Kompromisslösungen dank einer grosszügigen Zusammenarbeit mit den Behörden umgesetzt. Vorerst als Provisorium und Zeichen des guten Willens.
Dieser wurde aber durch Leserbriefe in den Zeitungen und zahllosen Eingaben an das Ammanamt auf eine harte Probe gestellt: Lärm vom Nünistei, Flugsand aus dem Kasten, Parkplatzsehnsucht – es gab nichts, was nicht zu bemängeln war!

Schluss mit Provisorium

Endlich war auch das Stadtbauamt so weit: Der ganze Platz sollte unterirdisch saniert und an der Oberfläche neu gestaltet werden.
So wurden die schmalen Trottoirs entfernt und durch einen breiteren, platzebenen Plattenbelag ersetzt. Die Bsetzisteine erlebten eine Renaissance und nach langen Querelen wurden zwei herzige Platanenbäume gepflanzt und mit Rundbänken zum «Besitzen» versehen.

Die Bäume sind prächtig gewachsen, die Rundbänke ersatzbedürftig und der befürchtete Schattenwurf ist ebenso ausgeblieben wie die laubverstopften Dachabläufe.

Leben oder beleben?

Heute sind unsere Ideale von einer wohnlichen Altstadt wieder vermehrt gefährdet.
Die Wohnsituation hat sich für Familien negativ verändert (Quelle: www.wohnen-11.ch) und die Gastronomie drängt vehement nach noch weitergehenden Liberalisierungen während die Stadt- und Gewerbevereinigung einem «Einkaufszentrum mit Barockfassade» den Vorzug gibt.

Sie merken: Wir brauchen ideelle und tätige Unterstützung, denn wir wollen immer noch gemeinsam … Helfen Sie mit, dass die Altstadt nicht «belebt» werden muss, sondern wirklich lebt: mit echten Einwohnern aus allen Einkommens- und Alterssgruppen. Danke.