
Parkplätze in der Altstadt: damals eine Normalität mit Lärm und Gestank für die
Anwohner und für das Gewerbe und
die Gastronomie scheinbar überlebensnotwendig.

Erstmals (fast) autofrei! Noch sichtbar die Parkfelder und in schlechter Erinnerung
der intensive Suchverkehr auf der
Parkplatzjagd in der idyllischen
Solothurner Altstadt.

Sichtbare Zeichen des Umdenkens: freundlicher, wohnlicher und ein Hauch Patriotismus.
Ein Provisorium, das später noch
von einem grossen Sandkasten für
die Kinder ergänzt wurde. Letzterer
das Resultat der Novizenprüfung
einer grossen Fasnachtsgesellschaft.

Nach dem Umbauchaos zur Wohlfühloase der Solothurner Altstadt.


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Der älteste Platz in einer der ältesten Städte der Schweiz heisst zwar «Friedhofplatz»,
hat jedoch nichts – nicht einmal
die Herkunft des Namens – mit einer
Grabstätte gemein, und wird ohnehin
von Freunden und Kennern liebevoll
«Säulimäret» genannt.
Mieter und Hausbesitzer, Wirte und
Gewerbetreibende rund um den Platz
und aus den angrenzenden Gassen schlossen sich
am Abend des 27. April 1981 zur
«Vereinigung
pro Friedhofplatz» zusammen.
Unzählige Vorstösse auf allen Ebenen
und jahrelange Einzelkämpfe für
mehr Lebensqualität im Quartier
sollten
durch diese damals typische
Bürgerinitiative Unterstützung
– und damit noch
mehr Gewicht – bei den Behörden
erhalten.
Rasche Erfolge
Bereits im Gründungsjahr war
es soweit, dass die Gemeindeversammlung
dem
Einbezug in die so genannte
«kleine Altstadtsperre» zustimmte;
also
den Platz und die Gassen
am Nachmittag und Abend
in eine autofreie
Fussgängerzone verwandelte! Ein Riesenerfolg
für
die engagierten Friedhofplätzler.
Dass sich bei der von der Stadt gewährten
Mitsprache um die Neugestaltung des von
parkierten Fahrzeugen befreiten
Platzes die
Gemüter erhitzten, sich die
Geister – und manchmal nicht
bloss diese
– schieden und Zeitungsspalten
entsprechend kontrovers gefüllt
wurden, kann allerdings nur
Unbeteiligte erstaunen.
'S isch jo immer,
immer, immer e so gsi.
(Solothurnerlied)
Ideen wurden gesammelt evaluiert und als typische Kompromisslösungen dank einer
grosszügigen Zusammenarbeit mit
den Behörden umgesetzt. Vorerst als Provisorium und Zeichen des guten Willens.
Dieser wurde aber durch Leserbriefe
in den Zeitungen und zahllosen
Eingaben an das Ammanamt auf eine
harte
Probe
gestellt: Lärm vom Nünistei, Flugsand
aus dem Kasten, Parkplatzsehnsucht – es gab nichts, was nicht zu bemängeln war!
Schluss mit Provisorium
Endlich war auch das Stadtbauamt
so weit: Der ganze Platz sollte
unterirdisch saniert und an der
Oberfläche neu gestaltet werden.
So wurden die schmalen Trottoirs
entfernt und durch einen breiteren,
platzebenen Plattenbelag
ersetzt. Die Bsetzisteine erlebten
eine Renaissance und nach langen
Querelen wurden zwei herzige
Platanenbäume gepflanzt und mit
Rundbänken zum «Besitzen» versehen.
Die Bäume sind prächtig gewachsen, die Rundbänke ersatzbedürftig und der befürchtete
Schattenwurf ist ebenso ausgeblieben
wie die laubverstopften Dachabläufe.
Leben oder beleben?
Heute sind unsere Ideale von einer wohnlichen Altstadt wieder vermehrt gefährdet.
Die Wohnsituation hat sich für
Familien negativ verändert (Quelle:
www.wohnen-11.ch) und die Gastronomie
drängt vehement
nach
noch weitergehenden
Liberalisierungen während die Stadt-
und Gewerbevereinigung einem «Einkaufszentrum
mit Barockfassade» den Vorzug gibt.
Sie merken: Wir brauchen ideelle
und tätige Unterstützung, denn
wir wollen immer noch gemeinsam
… Helfen
Sie mit, dass die Altstadt nicht
«belebt» werden muss, sondern wirklich
lebt: mit echten Einwohnern aus
allen Einkommens- und Alterssgruppen. Danke. |